Kulturelle Modernisierung und Robotik

Goethe Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Erziehungswissenschaften


Arbeit und Ergebnisse der Dokumentationsgruppe

Nadine Bachmann/ Marie Häntschel/ Christian Kulik                                                                  30.03.2015

 

Während des Sommersemesters 2014 kam der Dokumentationsgruppe neben administrativen Funktionen wie der Verwaltung und Pflege der Website die Aufgabe zu, die Untersuchungen der Arbeitsgruppen zu dokumentieren und die Arbeitsgruppen während ihrer Arbeit mit "PLEO rb" zu beobachten, um eventuelle Veränderungen im Verhalten der Studierenden "PLEO rb" gegenüber mit in den Prozess des Erkenntnisgewinns mit einfließen zu lassen.

 

Im Verlauf des Wintersemesters 2014/2015 wurden aufgrund der Befassung der Arbeitsgruppen mit übergeordneten, theoretischen Fragestellungen keine Beobachtungen vorgenommen. Vielmehr widmete sich die Dokumentationsgruppe der Pflege der Website und dem Verfassen eigener schriftlicher Beiträge auf der Website (siehe dazu auf dieser Seite auch den Abschlussbericht des Seminars von Nadine Bachmann).

 

Die Beobachtungen der Dokumentationsgruppe aus dem Sommersemester 2014 sowie ein Abschlussbericht der Dokumentationsgruppe aus dem Wintersemester 2014/2015 sind im Folgenden festgehalten. Gleichwohl ist anzumerken, dass sich die Dokumentationsgruppen personell in den beiden Semestern verändert haben. Verantwortlich für die Dokumentation der Beobachtungen aus dem Sommersemester 2014 sind die im Impressum für das Sommersemester 2014 vermerkten Personen.

 

 

 

 

 

Beobachtungen der Dokumentationsgruppe im SoSe 14

 

 

 

Erste Begegnungen mit Pleo 

 

"Dino"-Gruppe 1

 

 

Vor dem Auspacken diskutieren die Mitglieder von Gruppe 1, welchen Namen sie ihrem Pleo geben möchten. Bei einer demokratischen Abstimmung über drei vorgeschlagene Namen einigt man sich auf den Namen „Archi“. Der Pleo soll also männlich sein.

Das Auspacken beginnt. Bei den ersten Anblicken der zusätzlichen Beigaben, wie Futter oder kleine Deckchen entsteht schon viel Freude, doch noch mehr bringt die Mitglieder zum strahlen. Einige beginnen sich über die Bedienung von Archi auszutauschen, die meisten sind schon sehr gut über die Bedienungsanleitung informiert und es wird strukturiert gearbeitet, indem man beschließt Archi als erstes seinen Namen beizubringen. Deutlich erkennbar ist, dass sofort eine Art „Elterninstinkt“ bei allen geweckt zu sein scheint, was vielleicht auch daran liegt, dass sich Archi tatsächlich noch wie ein Baby verhält und mehrere Entwicklungsstadien durchläuft.

 

Alle wollen den „frisch geschlüpften“ und noch trägen Archi einmal halten. Die meisten streicheln sofort drauflos und versuchen ihn munter zu bekommen – er wird schon wie ein richtiges Lebewesen (Baby oder Haustier) behandelt. Erste Fotos von Archi werden gemacht. Das Wort, das beim ersten Kontakt am meisten fällt ist „süß“. Aussagen, wie „Ich entwickle schon Muttergefühle“ oder „Wo ist der Papa?“ bzw. das ständige Fotografieren, erinnern stark an Eltern, die ihre Kinder filmen und verwöhnen. Die häufigste Reaktion auf ihn ist das ständige Streicheln. Archi fesselt die Aufmerksamkeit aller Mitglieder. Noch mehr Begeisterung entsteht, als Archi seine erste Mahlzeit zu sich nimmt. Man macht sich Gedanken über den weiteren Umgang mit dem Pleo („Was wäre wenn...“). Die Spannung steigt und die Gedanken kreisen darum, wie und auf was er reagiert. Zusammen mit Gruppe 2 kommt die Idee auf, zwei Pleo's zusammenzuführen, was auch auf Video festgehalten wird. Jeder findet seinen Pleo natürlich am besten und es werden Vergleiche über die bisherige Entwicklung gezogen. Gruppe 1 ist sich einig darüber, dass sie fortan eine Elternrolle übernimmt.

 

Zwischenstand der Dino-Gruppe 1 (nach einer Woche) – 17.6.2014

 

Die Gruppen berichten, dass Pleo sich noch nicht viel weiterentwickelt hat. Er steht mittlerweile vollkommen aufrecht und bewegt sich auch mehr, jedoch kann er bei den meisten Gruppen noch nicht laufen. Er gibt mehr Laute von sich. Die Pleos sind noch nicht in der Lage ihren Namen zu kennen. Aus Gesprächen vor dem Seminar lässt sich heraushören, dass es schwierig ist die Pleos in den Alltag zu integrieren. Es bleibt Einzelnen nicht viel Zeit, um sich mit ihm zu beschäftigen, viele haben ihn nur ein bis zwei Stunden am Tag, wenn er überhaupt angeschaltet wird. Ein Gruppenmitglied aus Gruppe 1 berichtet, dass Pleo schon von alleine im Wohnzimmer gelaufen ist, die Laute werden im Allgemeinen als nervend empfunden

 

 

 

Erster Kontakt von Archy (Dino-Gruppe 1) und Ludwig (Dino-Gruppe 3)

 

 

Erste Begegnung mit Pleo 

 

"Dino"-Gruppe 2

 

Die Freude auf den PLEO ist groß. Alle wollen ihn schnellstmöglich sehen und anfassen.
Da die erste Begegnung mit PLEO von U[ni]TV Frankfurt filmisch begleitet wurde und fast alle Gruppenmitglieder nicht gefilmt werden wollten, wurde PLEO von einem Gruppenmitglied alleine ausgepackt und angemacht. Als PLEO aus seiner Karton-Verpackung befreit war und der Akku eingesetzt und angemacht wurde, kamen alle weiteren Mitglieder zum Anfassen und Bestaunen des kleinen grünen Dino-Roboters. Die Gruppe handelte nach den eigenen Gefühlen und beachtete zunächst nicht die beiliegende Anleitung. Da sich die Gruppe noch keinen Namen für PLEO überlegt hatte, fingen sie nach dem Einschalten von PLEO an, Namen vorzuschlagen und sich letztlich für Petrie zu entscheiden.


Daraufhin wollte jeder PLEO anfassen, ihn erst einmal beobachten und mit ihm vertraut werden. Anschließend beschloss die Gruppe nun PLEO seinen Namen beizubringen und versuchten es mit der dafür vorgesehenen Karte. Allerdings funktionierte das Namenlernen von PLEO nach mehreren Versuchen nicht, wodurch die Gruppe beschloss PLEO noch einmal auszuschalten und sich die Gebrauchsanleitung durchzulesen. Beim Lesen dieser, stellten die Gruppenmitglieder schnell fest, dass zwei wichtige Punkte zum Erlernen des Namens vergessen wurden. Die schalteten PLEO erneut ein und folgten der Anleitung Schritt für Schritt – leider ohne Erfolg.


Deutlich wurde, dass alle Gruppenmitglieder zu Beginn viel Geduld mit PLEO hatte, jedoch mit der Zeit das Beibringen und Erlernen des Namens sie viel Geduld kostete und einige Gruppenmitglieder schnell die Lust daran verloren haben. Da die Zeit der ersten Begegnung dann schnell vorbeiging, musste geklärt werden, wer PLEO mit nachhause nimmt und dann wurde klar, dass aus der Gruppe niemand Interesse hatte, PLEO für eine Woche mit Nachhause zu nehmen und sich um ihn zu kümmern...

 

Präsentation der Dino-Gruppe 2 über die ersten Wochen mit PLEO

                                                                                                                                                                                                  08.07.2014

 

 

Nach sechs bis sieben Wochen war es an der Zeit, dass die Gruppen eine kurze Präsentation zu ihrer Zeit mit PLEO vorbereiten und im Plenum vorstellen.
Gruppe 2 erzählte von den individuellen emotionalen Veränderungen durch Helga. PLEO wurde doch nicht Petrie genannt, sondern bekam aufgrund der rosa Augen den weiblichen Namen Helga. Helga wurde von Zeit zu Zeit weitergereicht und besucht immer wieder ein neues Gruppenmitglied. Sie wurde zu Grillpartys, nachhause, in Schulen, zu Freunden und Nachbarn gebracht. Da die Gruppenmitglieder wenig Zeit für Helga hatten, baute sich die Emotion des Mitleids auf – einige Gruppenmitglieder sprechen sogar von Muttergefühlen. Zwei weitere Gruppenmitglieder zeigten Helga zwei Grundschulklassen und beobachteten konträre Reaktionen. Eine Grundschul-Gruppe geriet in einen Streit um Helga. Wer ist die Mama von Helga? Wer ist der Papa von Helga? Wer darf mit Helga spielen? Die andere Grundschul-Gruppe zeigte ängstliche Reaktionen, die von einem rabiaten Umgang begleitet wurden. Bei dieser Reaktion entwickelten die „Mütter“ von Helga einen starken Beschützerinstinkt und verlangten von den Schülern, rücksichtsvoller mit Helga umzugehen.


Bei den Versuchen Helga zu füttern und ihr etwas beizubringen, mussten fast alle Gruppenmitglieder feststellen, dass es meistens nicht funktioniert oder mit viel Geduld verbunden ist. Diese Tatsache löste große Enttäuschung aus und folge mit einem Ausschalten von Helga.


Ein männliches Gruppenmitglied hatte von Beginn an eine Abneigung PLEO gegenüber empfunden und den technischen Aspekt stark beleuchtet – „das ist ja gruselig, der guckt ja einen an und filmt alles“ – Angst der Überwachung.


Deutlich wurde, dass trotz unterschiedlicher Verhaltensweisen, mit der sich die Gruppenmitglieder mit Helga auseinandersetzten, sich bei fast allen Gruppenmitgliedern Emotionen aufgebaut haben, die vorher nicht zu erwarten waren. 

 

Erste Begegnungen mit Pleo oder: Pleo wird geboren 

 

"Dino-Gruppe" 3

 

 

Nachdem PLEO zweimal in seiner Verpackung vorgestellt wurde, aufgrund des Seminarverlaufs aber immer wieder ungeöffnet zurückgestellt werden musste, war es am 20.05. endlich soweit!

PLEO durfte ausgepackt werden!

 

Mit neugierigem Gemurmel wurde PLEO aus seinem Karton herausgeholt und vor lauter Aufregung haben auch wir als Dokumentationsgruppe völlig vergessen auf Play zu drücken. Daher existieren keine Aufnahmen von PLEOs Geburtsstunde, wohl aber dieses ausführliche Protokoll.

 

Nachdem die Gruppe 3 mit dem Erkenntnisinteresse „Unterschiede in der Interaktion von Kinder und Erwachsenen“ den PLEO vor sich hatte, entwickelte sich schnell eine vielfältige Gruppendynamik: Während besonders die männlichen Gruppenteilnehmer das technische Know-How zum Einsatz brachten, waren die weiblichen Gruppenteilnehmer besonders daran interessiert den PLEO anzufassen und direkt Eindrücke an und mit dem PLEO zu gewinnen. Und so dauerte es nicht lange bis dem „Neugeborenen“ (so wurde er von den Gruppenteilnehmern beschrieben) ein Geschlecht zugeschrieben werden musste. Zwar war sich die Gruppe nicht sicher welches Geschlecht PLEO hat, die Teilnehmer schlugen aber immer nur männliche Vornamen wie z.B. Tino, Bob oder Jeremy-Pascal vor. Zum Schluss einigte man sich dann auf den Namen Ludwig und legte somit das Geschlecht mehr oder weniger unbewusst fest. Neben den technischen Daten, wie die Akkulaufzeit oder die Verteilung der Sensoren bei PLEO, kamen auch viele stark personalisierende Vorschläge wie die Idee ein Facebook-Profil für PLEO zu erstellen oder "Selfies" zu schiessen.

 

Bemerkenswert waren auch die Reaktionen einiger Teilnehmer, die besonders an dem Wahrnehmungsvermögen PLEOs interessiert waren: So packte eine Teilnehmerin den PLEO direkt am Schwanz fest, obwohl oder gerade weil sie wusste, dass PLEO dies nicht mag. Unter lautem Protest wurde der „Neugeborene“ dann aber in Schutz genommen mit der Erklärung, dass er die Welt im Guten kennenlernen sollte. Innerhalb der Gruppe übernahm besonders ein Gruppenmitglied die Führung und warf immer wieder Informationen aus der Bedienungsanleitung ein, wobei er sich mit Sätzen wie „Die Frauen übernehmen die Mutterrrolle“ oder „Das ist eine gute Übung für werdende Eltern“ sich klar von der großen Mehrheit der Teilnehmer, die an der Interaktion mit PLEO interessiert waren, distanzierte.

Nach 45 Minuten, in denen einer der Teilnehmer die Oberfläche von PLEO als „komisch“ und „nicht so weich wie erwartet“ beschrieben hatte, kam Langeweile auf, da sich PLEO im Stadium des Neugeborenen befand und somit zu keinerlei Interaktion fähig war und einen großen Teil der Zeit geschlafen hat. Nach einiger Zeit aber kam die Idee eines „Meat & Great“ auf und so gesellte sich PLEO schnell zu seinem Artgenossen Archi. Als erstes wurde von beiden Gruppen festgestellt, dass die PLEOs unterschiedlich aussehen und auch im weiteren Verlauf kamen immer wieder Aussagen auf, die beide PLEOs schon jetzt als Individuum mit eigenen Eigenschaften beschrieben. So wurde über Archi gesagt, dass er schüchtern sei. Zum Schluss wurde über allgemeine erzieherische Ideale gesprochen, wobei die Gruppenteilnehmer mit dem PLEO Archi sich einig waren, dass sie auf eine „harte“ Erziehung verzichten wollten.

 

Projekt-Zwischenstand

In der Sitzung des Seminars am 01.07.2014 baten wir als Dokumentationsgruppe unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen einen Fragebogen zur Erfassung des Projekts als Zwischenstand zu beantworten.

Einen Rücklauf gab es von insgesamt 27 Fragebögen. Da die "Dino-Gruppen" sehr unterschiedlich vertreten waren, wurde die Auswertung ohne Berücksichtigung der jeweiligen Gruppen durchgeführt.

 

 

Der Fragebogen:

Folgend haben wir die Auswertung der Fragebögen:

(P.S: die Bilder können durch ein Anklicken vergrößert werden)

Frage 1:

Eine deutliche Mehrheit hatte vorher noch keinen Kontakt mit einem Roboter. Dies lässt darauf schließen, dass es für die meisten eine erste und neue Erfahrung im Umgang mit Robotern war und sie neutral in das Projekt einstiegen.

 

Frage 2:

Ebenso empfindet eine deutliche Mehrheit der Befragten das optische Erscheinungsbild der PLEOs als ansprechend.

Frage 3:

PLEO ruft bei den meisten Befragten Gefühle der Freude und Ablenkung hervor. Am wenigsten entstehen Gefühle der Angst, Freundschaft und Abneigung. Desinteresse und Belastung, sowie Zuneigung sind bei den Befragten ausgeglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass im Seminar die Arbeit mit PLEO durchaus als überwiegend positiv eingestuft wird.

 

Frage 4:

PLEO wird von einer deutlichen Mehrheit der Befragten, als keinen Gefährten eingestuft. PLEO als Roboter zu betrachten ist nötig, um wissenschaftlich zu bleiben.

 

Frage 5:

Eine Mehrheit würde PLEO nicht mit einem Haustier vergleichen, dem stehen jedoch auch einige Meinungen entgegen. Dies hängt möglicherweise auch mit den Ergebnisse der qualitativen Frage (9) zusammen.

 

Frage 6:

Obwohl im Seminar öfter die Aussage fiel, dass PLEO nerven würde, hatten die meisten der Befragten Spaß an der Arbeit mit PLEO. Was schon bei Frage 3 aufgezeigt wurde, lässt sich hier noch einmal deutlich veranschaulichen.

 

Frage 7 und 8:

7,41 % (2 der Befragten) könnten sich vorstellen PLEO zu zerstören. Welche die Gründe für eine absichtliche Zerstörung sind, ist unbekannt, aber durchaus interessant.

Bei den meisten der Befragten, würde eine absichtliche Zerstörung/Verletzung von PLEO Wut und Trauer auslösen. Am wenigsten hätte dies Freude und Schadenfreude zur Folge.

Trotz PLEOs „nervendem“ Verhalten möchten die meisten nicht, dass er zerstört wird.

 

Frage 9:

Die Mehrheit der Befragten können sich eine Arbeit mit PLEO in der Altenforschung/in Altenheimen oder auch im Umgang mit Kindern, z. B. in Kitas oder Krippen vorstellen. Gefolgt werden diese Vorstellungen von Therapieeinsatz, Jugend-, Erwachsenen- und Behindertenarbeit. Zwei Befragte stehen dem mit Ablehnung oder Unsicherheit gegenüber.

Frage 10:

Als Forschungsmethode entschied sich die Mehrheit für die Beobachtung, das Verfassen von Protokollen und deren Auswertung. Auch Fragebögen und Videos wurden mehrfach genannt. Die Ergebnisse zeugen von einem geplanten und genauen Vorgehen der Arbeitsgruppen hinsichtlich der wissenschaftlichen Arbeit. Die Gruppen selbst sehen ihre Arbeit jedoch teils wissenschaftlich, teils weniger wissenschaftlich.

 

Frage 11:

Die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppen wird von einigen als schwierig bezeichnet, andere sind zufrieden mit dem Austausch. Die Unzufriedenheit lässt auf die zu großen Gruppen schließen, was die Mehrheit der Befragten ebenfalls äußert. Als weiterer Grund wird die Lustlosigkeit einzelner Gruppenmitglieder genannt.

 

Frage 12:

Eine große Mehrheit zieht ein positives Zwischenfazit. Das PLEO-Projekt wird als „was Neues“ betrachtet, als abwechslungsreich und interessant. Andere Meinungen wie Spannung, Unzufriedenheit oder Langeweile werden weniger, aber etwa gleich oft genannt.

Diese Frage wurde von drei Befragten zum Ausdruck eines Wunsches genutzt. Hier werden kleinere Gruppen, vorgegebene Forschungsfragen und mehr theoretisches Wissen angeführt.

 

 

 

 

 

Wintersemester 2014/2015:

 

Abschlussbericht: Ein Jahr Projekt PLEO

Nadine Bachmann                                                                                                                                                                30.03.2015


Das Projekt mit dem Roboterdino PLEO mit Kontext des Seminars „Einführung in die Medienpädagogik“ an der Goethe-Universität ist nun nach einem Jahr beendet. In dem Projektverlauf ergaben sich viele unterschiedliche Fragen, Diskussionen und neue Erkenntnisse der teilnehmenden Studierenden. Es zeigte sich, dass viele der Teilnehmer_innen mit einem hohen neuen Wissensstand und neuen Anregungen und vor allem wachsenden Interesse in der Robotertechnik das Seminar beendeten. Während es im ersten Semester des Projekts in erster Linie um die Interaktion mit PLEO direkt ging, wurde im folgenden zweiten Semester das theoretische Wissen über Robotik und über künstliche Intelligenz (KI), auf Wunsch der Student_innen, erweitert und es kamen ein neues Forschungsinteresse in Kontext der Robotik auf.


In der ersten Hälfte des Seminars beschäftigten sich die Studierenden in unterschiedlichen Forschungsgruppen mit dem Roboter PLEO. Sie überlegten sich in ihrer Gruppe, welcher Frage sie in Interaktion mit PLEO nachgegen wollen. Hierbei entstanden unterschiedliche Ansätze und verschiedene Interessen. Zunächst waren alle sehr gespannt, wie die kommenden Wochen mit PLEO verlaufen. Die Studierenden gaben PLEO andere Namen und erforschten, wie ihr PLEO in den ersten Tagen und Wochen auf sie und Andere reagiert. Im Vordergrund stand im den ersten Wochen die „Erziehung“ von PLEO, immer im Hinblick auf die eigene Fragestellung. Ein weiterer Aspekt, der in dem Seminar immer wieder aufkam war die Frage nach der emotionalen Bindung. Es gab mehrere Diskussionen, ob PLEO Emotionen hervor ruft und wenn ja welche. In einem Fragebogen zeigte sich, dass PLEO sehr wohl unterschied-liche Emotionen hervorrufen kann, positive und negative. Hierbei stellte sich heraus, dass PLEO bei den meisten Studierenden des Seminars Gefühle der Freude und Ablenkung hervor-ruft. Am wenigsten entstehen Gefühle der Angst, Freundschaft und Abneigung. Desinteresse und Belastung, sowie Zuneigung sind bei den Befragten ausgeglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass im Seminar die Arbeit mit PLEO durchaus als überwiegend positiv eingestuft wurde. Zudem betrachteten sie ihn nicht als Gefährten oder Haustier. Allerdings muss hier auch be-achtet werden, dass die Studierenden keine „Normalverbrauer“ sind, sondern mit einem For-schungsinteresse an die Robotik und damit an PLEO heran getreten sind. Viele waren der Ausfassung, dass eine gewisse Distanz nötig ist, um wissenschaftlich arbeiten zu können. Die Arbeit und Interaktion mit PLEo wurde von den Teilnehmer_innen zunehmend als langweilig empfunden, da der Entwicklungsfortschritt sehr langsam, langsamer als gedacht, von statten ging. Diese empfundene Langeweile und der Wunsch nach mehr theoretischem Wissen über Robotik und KI führten dazu, dass im zweiten Semester kaum noch mit PLEO in Interaktion getreten wurde und sich eine Veränderung des Schwerpunkts im Seminar vollzog.


Aufgrund dessen war das zweite Semester zunächst von Erlangung theoretischen Wissens geprägt. Hierzu zählten verschiedenen Dimensionen von Robotik, u.a. sozialstrukturelle, pä-dagogisch und sozialpsychologische. Außerdem wurde die künstliche Intelligenzforschung betrachtet und darüber diskutiert, wie erweiterte Technik und Robotik auch in einer zukunfts-orientierten Perspektive in den Alltag eingeht. Durch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Theorie im Bereich der Robotik und der künstlichen Intelligenz, war das zweite Semester auch durchaus geprägt von verschiedenen Diskussionen zu diesem Thema. Auch im zweiten Semester haben sich Gruppen zusammen gefunden, die einer vorher überlegten Fragestellung nachgingen. Allerdings ist die Kommunikation zwischen den Forschungsgruppen und der Dokumentationsgruppe im zweiten Semester nicht gut gelungen, was als durchaus schade zu betrachten ist. Daher sind genaue Fragestellungen und die daraus folgenden Ergebnisse an dieser Stelle nur schwer darzustellen. Zu den gruppenorganisierten Fragestellungen wurde gemeinsam im Seminar ein Brief an Innvo Labs, dem Hersteller der Firma geschickt. Diesem Brief sind Fragen enthalten auf die von unserer Seite keine Antwort gegeben werden konnte. Leider ist bis zu diesem Zeitpunkt, dem Ende des einjährigen Projekts, keine Antwort auf die gestellten Fragen von Innvo Labs gekommen.


Durch die abschließende gemeinsame Evaluation im Seminar am Ende des einjährigen Pro-jekts, lässt sich erkennen, dass das Seminar für die meisten teilnehmenden Student_innen ei-nen erheblichen Wissenszuwachs zur Folge hatte. Vor Beginn des Projekts hatte diese größ-tenteils noch keinen Kontakt zu Robotern und auch das theoretische Wissen war begrenzt. Einige Studierende waren der Auffassung, dass es für ein weiteres Projekt in dieser Richtung sinnvoll wäre, Wissen im Bereich KI und Robotik vor der Interaktion mit PLEO zu erlangen. Dies würde für einen anderen Hintergrund und einen anderen Umgang mit PLEO sorgen. Auch die Fragestellungen könnten dann unter fundiertem Wissen erstellt und erforscht wer-den. Abschließend bleibt zu sagen, dass trotz einiger Schwierigkeiten in der Kommunikation und des nachlassenden Interesses am dem eigentlichen Forschungsgegenstand PLEO, das Seminar als großer Erfolg für die teilnehmenden Studierenden angesehen werden kann.

 

 

 

 

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